100 Jahre Kaninchenzucht
in Pinneberg und Umgebung

 

Vor über 100 Jahren, am 01. April 1903, gründeten acht Männer
 
- im späteren Vereinslokal „Emil Moser“ -
 den Kaninchenzuchtverein Pinneberg und Umgebung.

 

Die beiden nachstehenden Protokolle sind im Originaltext wiedergegeben worden.

Protokoll

Des Kaninchenzuchtvereins für Pinneberg und Umgebung.

Gegründet am 01. April 1903 von folgenden Herrn:

E. Moser, H. Schultze, W. Siegert, Fr. Lange,
W. Regling, R. Voigt, H. Lüers und H. Schulters.

Generalversammlung am 15.04.1903

Tagesordnung:

1.          Vorstandswahl: In den Vorstand wurden folgende Herren einstimmig gewählt:
1. Vorsitzender: H. Schultze
         dessen Stellvertreter: Fr. Lange
1. Schriftführer: W. Siegert
dessen Stellvertreter: W. Regling
und als Kassierer R. Voigt

2.         Aufnahme neuer Mitglieder:
Neu aufgenommen wurden:
E. Hüttmann, H. Frettau und R. Peters

3.          Verschiedenes:
In erster Linie wurde beschlossen an Nichtmitglieder keine Rassetiere zu verkaufen und an Mitglieder nur für den festgesetzten Preis.

         Derselbe ist für 6 Wochen alte Junge auf 1,- Mark ältere dementsprechend mehr festgesetzt.

Alsdann wurde von Herrn Moser ein Antrag gestellt zwecks Anschaffung eines Stempels, dessen Anschaffungskosten der Antragsteller aus eigenen Mitteln decken will und somit den Stempel den Verein zum Geschenk macht.

Ferner wurde noch ein Antrag gestellt um Festsetzung eines Termins an welchen die Beiträge eingesammelt sein müssen und wurde daher der 1. des letzten Monats im Quartal als Schlusstermin festgelegt.

Schluss der Versammlung 10 ½ Uhr

 

Auf der nächsten Versammlung am 29.04.1903 wurde unter Punkt 2 von Herrn H. Schultze der Antrag gestellt, einen jungen Bock (Rammler) zu kaufen, der Antrag wurde angenommen. Der Antrag von Herrn E. Moser, einen alten Bock zu kaufen, wurde abgelehnt.
Leider geht aus dem Protokoll nicht hervor, um welche Rasse es sich bei dem Rammler handelt. Die Frage ob vielleicht mehrere oder sogar alle Züchter zu Anfang eine Rasse gezüchtet haben, bleibt offen.

Auf der Generalversammlung vom 10.01.1904 werden das erste mal Holländer erwähnt. Und zwar wurde vom 1. Vorsitzenden der Antrag gestellt, einige Holländer aus Kosten des Vereins anzuschaffen, die unter den Mitgliedern verlost werden sollten. Dieser Antrag wurde jedoch am 23.02.1904 abgeändert. Man beschloss, eine Russin- und eine Englische Widderhäsin zu kaufen.

Die Gewinner der Tiere mussten sich verpflichten, die Jungen aus zwei Würfen dem Verein unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Die Nachzucht wurde dann ebenfalls unter den Mitgliedern verlost. Gleichzeitig geht aus einer anderen Protokolleintragung hervor, dass der damalige Züchter Ahlers, Belgier züchtete, sodass man davon ausgehen kann, dass ein Jahr nach Gründung mindestens 3 Rassen im Verein gezüchtet wurden.

Ferner wurde auf der Versammlung vom 10.01.1904 als Anfang der Deckzeit der 1. Februar bestimmt.

In diesem Jahr wurde auch die Satzung, die aus 12 Paragraphen bestand, vorgelegt und einstimmig angenommen.
Deren Wortlaut ist nicht bekannt.

Auf einer der nächsten Versammlungen wurde der Wert der Ehrenpreise auf 6,- Mark und das Standgeld p/Nr. auf -,60 Pfennig festgelegt.

Am 23. Mai 1904 stellt Herr E. Moser den Antrag, dem Verband Norddeutscher Kaninchenzüchter sofort beizutreten.
Gleichzeitig wurde der Antrag gestellt, 31 Mitglieder beim Bund anzumelden.
Beide Anträge wurden einstimmig angenommen

12. Februar 1905
Ein Zusammenschluss des Kaninchenzuchtvereins und des Geflügelzuchtvereins Pinneberg wird laut Mitgliederbeschluss abgelehnt. Es wird beschlossen, dass ein Bericht zu veröffentlichen ist.
In Zukunft wird jedem verstorbenen Mitglied ein Nachruf im „Kaninchen – Züchter“ gewidmet.

Im selben Jahr werden Mitglieder aus folgenden Orten in den Verein aufgenommen:
Elmshorn, Langelch, Barmstedt, Datum, St. Pauli, Lokstedt und Altona.

Etwa gleichzeitig tauchen die Rassebezeichnungen Wiener Rasse, Japaner und Widder auf. 1906 werden diese durch Französische und Englische Widder ergänzt. Aus einem Bericht geht hervor, dass der Verein die letzt genannten sowie Belgische Riesen und Holländer gekauft und unter den Mitgliedern gratis verlost hat, um möglichst viele Rassen im Verein bekannt zu machen, zu züchten und zu verbessern.

Generalversammlung vom 07.01.1906

Unter Punkt Verschiedenes wurde von Herrn Will und Herrn Schulz der Antrag gestellt dem Deutschen Bund beizutreten.
Am 07.01.1906 hatte der Verein 73 Mitglieder.
Die Kasse wies ein Guthaben von 139,76 Mark auf.

Das die Clubs innerhalb unserer Organisation eine große Tradition haben, beweist einmal mehr ein Schreiben des Farbenzüchter Clubs vom 11.03.1906 an unseren Verein, das ebenso wie ein Schreiben des Verbandes aus der Versammlung vom selben Tage verlesen wird.

Wie schon erwähnt, hatte ein Ehrenpreis damals einen Wert von
6,- Mark, sodass man annehmen kann, dass die damaligen Zuchtfreunde nicht kleinlich waren, denn im Protokoll vom 08.07.1906 wird eine Verbandsausstellung in Itzehoe erwähnt, für die unser Verein einen Ehrenpreis im Wert von 10,- Mark stiftete.

Leider ist ein Zeitungsbericht vom 09. September 1906 die letzte Eintragung im Protokollbuch. Aus diesem Grund ist es uns nicht möglich, näheres über die Jahre 1907 bis 1930 zu berichten.

Es ist heute nicht mehr nachzuvollziehen, was sich in Wirklichkeit ereignet hat. Es ist jedoch anzunehmen, dass Schwierigkeiten bestanden, den Verein am Leben zu erhalten und eine ordentliche Protokollbuchführung nicht möglich war. Nachforschungen über den Verbleib etwaiger Bücher waren erfolglos.

Am 9. August 1930 wurde laut Protokoll ein neuer Vorstand gewählt.

1. Vorsitzender: Zuchtfreund Klindwort
1. Schriftführer: Zuchtfreund Heckfeldt
1. Kassierer: Zuchtfreund Semmelhack
Vereinslokal wird das Gasthaus „Gäde“

In den 30iger Jahren ist, wie man aus den Protokollen ersehen kann, viel über die Kaninchenzucht und Haltung gesprochen worden. Die Tierbesprechung ist auch heute wieder, sehr zur Freude der Züchter, ein wichtiger Punkt auf unseren Versammlungen.

Wie aus den Aufzeichnungen hervorgeht, wurde auf der nächsten Versammlung ein Tätowiermeister gewählt. Man setzt für das Tätowieren einen Kostenbeitrag von 25 Pfennig pro Tier fest. Der Beitrag musste solange an den Verein abgeführt werden, bis die vom Verein gekaufte Täto – Zange bezahlt war. Danach erhielt der Verein 15 Pfennig und der Täto – Meister 10 Pfennig.

1931 erhält ein Züchter auf einer Schau in Schnelsen für sein Tier, dass mit 92 Punkten bewertet wurde, den 3. Preis.
Auf dieser Ausstellung wurde ein Eintrittsgeld von 30 Pfennig erhoben. Erwerbslose mit Stempelkarte bezahlten 20 Pfennig. Kinder in Begleitung von Erwachsenen hatten freien Zutritt, ansonsten mussten sie 10 Pfennig bezahlen.

Wie heute mussten auch schon damals Mitglieder den vollen Eintrittpreis bezahlen und von jedem verkauften Tier 10 % des Betrags an den ausstellende Verein abführen. Erwerbslosen Züchtern wurde zu der Zeit ein zinsloses Darlehen vom Verein gewährt, dass innerhalb von 6 Monaten zurückgezahlt werden musste.

Auf einer Lokalschau am 15. und 16. Oktober 1932 in Pinneberg – im Vereinslokal „Gäde“ – wurden Kaninchen ohne Täto – Zeichen bewertet. Sie konnten jedoch weder Preise noch Titel erringen.
Den Züchtern, die für den Aufbau der Käfige bzw. für die anfallenden Arbeiten auf dieser Ausstellung verantwortlich waren, wurde laut Mitgliederbeschluss täglich zwei Glas Bier auf Vereinskosten bewilligt.
Der Obmann, Herr Kollege Illgen, erhielt für seine Tätigkeit an den Ausstellungstagen pro Tag 3- Mark.
Die ausstellenden Zuchtfreunde mussten ihre Tiere selbst füttern. Dies blieb auch in den folgenden Jahren so, nur die Tiere aus anderen Vereinen wurden vom Verein versorgt.

Am 13.01.1934 wird ein Schreiben der Stadt Pinneberg an den Verein vom 1. Vorsitzenden auf der Versammlung verlesen. Der Magistrat bittet in diesem Schreiben um finanzielle Unterstützung zwecks Errichtung eines Ehrenmals für die gefallenen Soldaten im 1. Weltkrieg. Man einigt sich auf 10 Mark aus der Vereinskasse.

Endlich ist es soweit !

Die Pinneberger Frauengruppe wird am 24.02.1934 ins Leben gerufen.
Zur 1. Vorsitzenden wurde Frau Stelling gewählt.
Außerdem waren folgende Frauen an der Gründung beteiligt:
Fr. Münster, Fr. Burgheim, Fr. Wicker, Fr. Höldt
Fr. Loft, Fr. Wiese, Fr. Rehders, Fr. Witt
Fr. Stegemann und Frl. Witt

Einmal im Monat, und zwar an jedem  1. Mittwoch traten sie zusammen um zu nähen und um im Sinne des Vereins zu wirken.

Öffentlichkeitsarbeit im Jahre 1934

Der damalige Zuchtwerbewart Otto Gätjens berät nichtorganisierte Kaninchenhalter sowie Züchter und alle Freunde der Rassezucht an jedem Donnerstag von 18:00 bis 19:00 Uhr im Vereinslokal in allen Fragen der Kaninchenzucht.

Ab den 1. Januar 1934 dürfen die Kaninchen nur noch mit dem uns zugeteilten Zeichen U 63 unter Vorlegung eines Deckscheines tätowier werden. Der Deckschein musste, falls das Zuchtpaar in einem Besitz war, von einem Zeugen beglaubigt werden.

Auf der Versammlung vom 15..04.1939 wird festgestellt, dass dem Verein 40 Mitglieder angehören. Diese sind namentlich aufgeführt. Es wurde eine Inventarliste verlesen, aus der hervorging, dass der Verein im Besitz einer Hitlerbüste war.

Während des Krieges wurden die Versammlungen unregelmäßig abgehalten und dann noch sehr oft durch Fliegeralarm unterbrochen. Dennoch fanden auch während dieser Zeit Schauen statt. Die Mitglieder taten ihr Mögliches, um den Verein über die Runden zu bringen. Dieses ist ihnen, wie man heute feststellen kann, sehr gut gelungen.

Das beweist unter anderem auch die Tatsache, dass 1943 19 Rassen mit insgesamt 838 tätowierten Tieren gezüchtet wurden.

Am 1. Januar 1943 wurde die Rassenbescheinigung eingeführt.

1944 hatte der Verein 85 Mitglieder.
Aus diesem Grund beschloss man, vorläufig keine Mitglieder mehr aufzunehmen.

Nach mehreren Anläufen wird im Jahre 1951 die bis dahin ruhende Frauengruppe wieder zu Leben erweckt.
1. Vorsitzende: Frau Plett
Kassiererin: Frau Grapenthin
Schriftführerin: Frl. Mehrenberg

1952 wird der Rellinger Verein aufgelöst, die Mitglieder traten unserem Verein bei.

1953 konnten zwei Züchter nicht nur das 50. Jubiläum, sondern auch ihre 50jahrige Mitgliedschaft im Verein feiern. Beide Züchter, Herr H. Schultze und Herr W. Siegert, waren Mitbegründer des Vereins. Ein schönes und wohl auch einmaliges Jubiläum, das beiden Veteranen der Kaninchenzucht begehen konnten.

Auch heute haben wir viele Züchter im Verein, die fast 50 Jahre dabei sind. Ganz besonders erwähnen möchten wir an dieser Stelle unseren Zuchtfreund Waldemar Lopau, der nunmehr seit fast 70 Jahren unserem Verein die Treue hält. Zuchtfreund Lopau war lange Jahre als 1. Kassiere für den Verein tätig.

Auf der Versammlung vom 12.09.1959 wurde ein Beschluss der vorhergegangenen Kreistagung, die Transportkisten unseres Vereins grün zu streichen, von den anwesenden Mitgliedern einstimmig angenommen. Ob dieser Beschluss in den folgenden Jahren von der Kreistagung wieder geändert wurde, geht aus unseren Protokollbüchern nicht hervor.

1977 wurden in unserem Verein von den Altzüchtern 29 und von den Jungzüchtern 6 Rassen mit insgesamt 1112 tätowierte Tiere gezüchtet.

1992 wurden von 19 Altzüchtern und 3 Zuchtgemeinschaften 643 Tiere aus 21 Rassen gezüchtet. Bei den Jungzüchtern waren es 59 Tiere aus 5 Rassen.

Am 14.01.1966 hat Zuchtfreund Hans Kuhring, das nicht immer leichte Amt des 1. vorsitzenden übernommen. Ein Jahr danach, Anfang 1967, wurde der Verein in das Vereinsregister beim Amtsgericht Pinneberg eingetragen.
Zuchtfreund Kuhring leitete den Verein 20 Jahre.

Unser jetziger Vereinsvorsitzender, Zuchtfreund Uwe Eggers leitet den Verein seit 1987. Ein in der heutigen Zeit besonders schweres Amt, das sehr viel Idealismus erfordert.

Seit dem 12.01.1967 leitete Zuchtfreundin Ida Belger unsere Frauengruppe. In diesen Jahren hat sich die Frauengruppe gefestigt und ist heute aus unserem Verein nicht mehr wegzudenken. Besteht sie doch aus lauter hilfreichen Geistern, die sich das ganze Jahr, besonders aber bei Schauen und Veranstaltungen, in stiller Bescheidenheit nützlich machen. Zuchtfreundin Belger legte dieses Amt 1993 in jüngere Hände.

Nach der Jahreshauptversammlung 1997 wurde die Frauengruppe vorübergehend als ruhend gemeldet und wurde ende 1998 wieder ins Leben gerufen. Geleitet wird die Frauengruppe seit dem von der Zuchtfreundin Gisela Sommer. Die Aktivitäten wurden wieder aufgenommen und wir freuen uns schon auf das nächste Jahr, denn dann besteht die Frauengruppe seit 70 Jahren.

Die Jugendgruppe des Vereins wird seit mehreren Jahren von Zuchtfreund Jochen Glismann geleitet und ist seit über 40 Jahren Bestandteil des Vereins. Durch regelmäßige Aktivitäten wird hier die Freude an der Kaninchenzucht bei den Jugendlichen erhalten und bringt uns auch immer wieder Nachwuchs in die Gruppe.

Nach vielen Wechseln der Ausstellungsräume in den letzten 30 Jahren, haben wir nun schon seit 10 Jahren eine neue Heimat für die Ausrichtung der Kreisverbandsschau mit Vereinsschau in Tangstedt / Pinneberg gefunden. Das Ausrichten dieser Schau wurde die letzten Jahre auch nicht leichter, so müssen wir zum Beispiel heute Wände in der Halle mit Folie abkleben und den gesamten Boden abdecken. Doch dies sind alles Sachen die wir gern hinnehmen für einen solch schönen Ausstellungsort. Auch wurden wir von Kaninchenkrankheiten heimgesucht, die uns das Austragen eine Schau erschwerten. Hier sei ins besondere RHD genannt, was zur Folge hatte, dass nur noch geimpfte Tiere ausgestellt werden dürfen.

Unser Vereinsjahr ist immer noch sehr umfangreich, so machen wir regelmäßig Ausfahrten und Wandertage, auf die wir nicht verzichten möchten.
Seit vielen Jahren nimmt unser Verein an dem Erntedankumzug in Waldenau teil und ist auch hier nicht mehr wegzudenken.
Der Verein hat zur Zeit 55 Mitglieder, eine Frauengruppe mit 11 Mitgliedern und 6 Jungzüchter.

Unsere Versammlungen finden weiterhin jeden 2. Montag im Monat in der Kegelstuben um 20:00 Uhr statt.
Gäste sind herzlich willkommen.

In den 100 Jahren seines Bestehens hat der Verein manchen Sturm über sich ergehen lassen müssen, dass es trotzdem immer wieder weiterging verdankt er den Frauen und Männern, die mit Leib und Seele Kaninchen züchten.

In diesem Sinne

auf eine glückliche

und

erfolgreiche Zukunft.

Uwe Eggers
1.Vorsitzender